Mensch vs. Maschine

Smart Factory – Ist der Mensch ersetzbar?

“Die Vision einer Produktionsumgebung, in der sich Fertigungsanlagen und Logistiksysteme ohne menschliche Eingriffe weitgehend selbst organisieren.”. Das ist laut Wikipedia die Definition für Smart Factories, in denen der Mensch nicht mehr in den Produktionsprozess eingreifen muss. Die massige Integration von Maschinen spart Zeit, Geld und Arbeitsplätze. Von Forschern wird ein Verlust von über 140 Millionen Vollzeitstellen erwartet, denn die Einsatzmöglichkeiten von Robotern kennen keine Grenzen. Von dem Servieren des Essens in der Kantine, über das darauf folgende Abräumen und Putzen, bis hin zu dem eigentlichen Bürojob des essenden Mitarbeiters. Zumindest theoretisch werden Roboter all diese Aufgaben in den nächsten Jahren bewältigen können.

Vertreter der Industrie freut das, denn der Kostenunterschied ist enorm. In der deutschen Automobilindustrie wird ein durchschnittlicher Stundenlohn von über  40 Euro die Stunde gezahlt, in Osteuropa sind es 11 Euro und in China unter 10 Euro. Maschinen hingegen kosten 3-6 Euro die Stunde, Instandhaltung und Energiekosten inklusive. Wie soll der Mensch da noch mithalten?

 

 

 

 

 

 

Markus Schäfer, der Produktionsvorstand bei Mercedes, warnt vor zu viel Pessimismus. „Maschine und Mensch unterstützen sich gegenseitig in unseren Werken, damit kann man den Sprung von der Massenproduktion, hin zur Individualisierung der Produkte erreichen.” Die Nachfrage nach deutschen Produkten bliebe damit groß, was Arbeitsplätze sichere. 
Auch die VW-Tochter Audi, die konsequent das Ziel der Smart Factory verfolgt, entschärft die Situation. “Die finale Entscheidung wird immer der Mensch treffen”, sagt der Leiter der Produktionsplanung, Michael Breme. Und Stephan Neugebauer von BMW geht noch weiter: “Die Digitalisierung wird massiv Arbeitsplätze schaffen”.

Gemeinsame Arbeit ist die Zukunft

VW hat bereits 2015 unter Horst Neumann als Personalvorstand damit begonnen, vermehrt Maschinen in die Produktionsprozesse zu integrieren. Zuerst wurde der Plan von Regierung und Gewerkschaft kritisch betrachtet, VW ist schließlich einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Es wurde aber klar gemacht, dass die intelligenten Produktionsautomaten Hand in Hand mit den Menschen produzieren sollen. “Die Roboter der Zukunft werden kleiner, leichter und sicherer sein. Deshalb müssen wir sie nicht mehr wie bisher in Käfige sperren. Arbeitsräume von Mensch und Maschine werden sich überschneiden, Mensch und Maschine werden gemeinsam an einem Bauteil arbeiten.”, versprach Neumann.

Arbeiten wird gesünder

Maschinen sollen dabei den Menschen eher entlasten, als ihm seinen Arbeitsplatz wegzuschnappen. 30 bis 37 Prozent der Arbeit bei VW wird als anstrengend bis sehr anstrengend bewertet. Das Ziel, neben der Einsparung von Kosten und Zeit, ist es den Mitarbeitern ein gesundes und langfristiges Arbeiten zu ermöglichen. Die schweren Tätigkeiten werden von Maschinen verrichtet. Der Mensch wird kontrollieren, Probleme beheben oder bei unerwarteten Situationen reagieren, denn darin sind wir Maschinen immer noch weit überlegen.

Keine Auswirkung auf Einstellungen

Laut den führenden Automobilbauern sollen zudem nicht weniger Leute eingestellt werden. Durch die Babyboomer, welche in den kommenden Jahren in Rente gehen werden, können ergonomisch ungünstige Arbeitsplätze automatisiert und abgebaut werden, ohne Mitarbeiter zu entlassen. Bei VW werden deutschlandweit 32.000 Mitarbeiter mehr als im langjährigen Durchschnitt in Rente gehen, welche, aufgrund der demografischen Entwicklung Deutschlands, nicht mit Nachwuchskräften kompensiert werden können. “Deshalb haben wir die Möglichkeit, Menschen durch Roboter zu ersetzen und trotzdem in bisherigem Umfang Nachwuchskräfte einzustellen.

Eine menschenleere Fabrik ist auf absehbare Zeit kein realistisches Ziel. Da sind sich die Experten und Personaler sicher. Aber der Wunsch nach einer Smart Factory wird weiter bestehen und sich immer mehr verwirklichen. Das Ziel sollte sein, die Arbeiter der Zukunft mit den Maschinen kooperieren zu lassen, und so die Grundlage für den Wirtschaftsstandpunkt Deutschland zu sichern. Nicht wenige sehen in der Digitalisierung sogar die Möglichkeit den Fachkräftemangel im alternden Deutschland auszugleichen.